[1] Bevor Kf. Friedrich zu seiner Wallfahrt in das Heilige Land aufbricht, setzt er sein Testament auf. [2] Im Falle seines Todes ordnet er die Beerdigung im Benediktinerkloster Reinhardsbrunn an, sofern dieses weiterhin bei der Observanz verbleibt. [3] Friedrichs Haupterbe soll sein Bruder Hz. Johann sein. [4] Der von ihm gestiftete Altar in der Stadtkirche St. Marien in Torgau soll bestehen bleiben. [5] Für die in der Schlosskirche in Torgau errichtete Stiftung zu Ehren der Mutter Gottes regelt er den Vollzug. [6] Für das Studium von sechs armen Landeskindern werden Stipendien ausgelobt. [7] Hinterlassene Schulden soll Hz. Johann begleichen. [8] Als Testamentsvollstrecker werden Ebf. Ernst von Magdeburg und Hz. Johann von Sachsen sowie Hz. Albrecht von Sachsen, Hz. Georg von Sachsen, Gf. Siegmund von Gleichen, Heinrich Reuß von Plauen zu Greiz, Heinrich, Herr von Gera und Schleiz, Heinrich vom Ende, Hans von Minckwitz, Thammo Löser, Heinrich Löser und Hans von Leimbach benannt. [9] Änderungen dieses Testaments sollen zukünftig möglich sein. [10] Zeugen des Testaments sind Siegmund Pflugk, Martin Pollich, Nikolaus Schreiber, Pfarrer zu Torgau, Johann Flehinger, Hans Hund, Sebastian von Mistelbach und Caspar Späte.

[1] Wir Friderich von gotes gnaden hertzog in Sachssen, des Heiligen Römischen Reichs ertzmarschalh und churfurste, lanntgrave in Doringen und marggrave zu Meissen thun kundt. Nachdem wir auß sunder innigkeit und andacht auch redlichen ursachen unns darzu bewegend furgenommen haben, mit hilff des almechtigen ewigen gottes uber mere zu ziehen, das grap unnsers hern Jhesu Cristi und annder heilige stette zubesuchen, haben wir zuvor betracht und zugedechtnus genommen die unsicherheit des lebens in disem jamertale, wannen alles menschlich geschöpffe nicht gewissers hat dann den todt und nicht ungewissers dann die zeit und stunde desselben. Nu dobey angesehen, das der menschen, die von diser werlt vorscheiden und bey zeyten irs lebens yre selen selbst nicht haben versorget, bald vorgessen wirdt, und nicht tröstlichers und bessers im anndren leben finden, dann was sie geistlicher schetze mit bestellung und volbringung gotlicher dinst auch ubung guter wercke gesammet und fur sich zuvor geschickt han. Darumb so haben wir vor unnserm ausziehen zu egerurter walfart hoch zu synnen genommen unnsers gemuts bewegnus, unnser selen trost und seligkeit in dem ewigen leben zuemphinden, wolbedechtiglich mit gutem wissen und bewilligen unnser brudere unnser testament gesatzt, geordent und bestalt, durch dise hernachgemelten testamentarien furder zu stund zuvertigen und zuvolnziehen, gehalten zu werden, inmassen von puncten zu puncten hernachgeschriben und ausgedruckt ist.
[2] Zum ersten, so der almechtig gott uber unns gepieten wurde, also das wir auf diser reyse und walfart tods abgeen und vorschieden und an enden weren, das wir von den unnsern begerten, unns anheim zufuren, so erwelen wir und wollen, das man unns zu Reynersborn im closter zu der erden bestatten und begraben solle. Das solle also volnzogen werden und gescheen. Und unnser grap, do man unns im closter inlegen solt, solle von messing oder gehauen stein erhaben unnd unnser bildnus mit den wappen allen, nicht in churfurstlicher cleydung oder gestalt, sundern in pilgrams form darauf gehauen oder gegossen werden. Es solle auch unnser begengknus in benantem closter loblich und erlich, wie eynem churfursten gezimpt, mit viel reformirten monchen und anndern frommen priestern, die die ampt der heiligen messe halden, auch armenleute mit cleydung, almosen und spenne begabt werden und vermanet, mit fleis und andacht für unnser sele den almechtigen gott inniglich zu bitten. Aber sunst mit furstlichen bottschaften, pferd ziehen oder annderm geprenge solle keins getan werden, sundern alleyn ein gedechtnus schilt mit vorzeichenter jarzal und tags unsers abgangs aufhengen und machen lassen. Und so wir also in vermeltes closter begraben wurden, so bescheiden wir, darein tausent reinisch gulden unvermynert und gantz one abgang in jarsfrist gereicht zu werden, die angefangen reformation und heilige observantz domit zuenthalden, unns auch ein ewige gedechtnus zuhalden und zubestellen nach rate unnser testamentarien. Wo aber die reformation in vermeltem closter in der zeit fallen, solle nichts ins closter gegeben, unnser leichnam auch dohin nicht begraben, sundern gein Meissen zu der erden bestatt werden. Darzu alle unnser seyden gewandt und cleyder zu messe gewandten und anndern gotlichen zierungen zumachen und zu gebrauchen an dasselbig end, do wir werden begraben, volgen, sampt den tausent gulden gein Reynersborn verordent.
[3] Darnach orden, schaffen und wollen wir, das alle unnser lande und leute, barschafft, schuld, vorbriefte oder anndre gewisse cleynot und was wir von recht gehapt und verlassen an den hochgepornnen fursten, hern Johannsen, hertzogen in Sachssen etc., unnsern lieben bruder kommen und gefallen sollen, doch unschedlich dem vortrag, der zwischen unnserm hern und bruder, dem ertzbischove zu Magdburg etc., und unns durch unnsern vettern hertzog Albrechten jungst gemacht und abgeredt.
[4] Wir schaffen, orden und wollen auch, das der altar in unnser lieben frauen pfarrekirchen alhie zu Torgau im nechsten gnadenreichen jare durch unns aufgericht und mit aller versorgnus confirmirt und gehalten werde, inmassen bißher bescheen ist.
[5] Nachdem wir auch ytzund zu lobe dem almechtigen godt und seiner werden mutter sant Marien zu eren ein stifftung in der capellen unnsers sloss zu Torgaue angefangen haben, die sieben gezeit von unnser lieben frauen teglichs zusingen, wollen wir und schaffen, das die innachfolgender form werden gehalten. Nemlich vier priester, der iglicher jerlichs dreissig reinisch gulden haben solle, der selbst residiert und eins guten geruchts und unvordechtigs ordenlichs wesens und lebens ist. Die selben dreissig gulden sollen ime fur kost und lone volgen. Darzu sieben chorschuler und ein organist, unter den solle einer custos sein der kirchen, die und dasselbig ampt getreulich versorgen, der solle iglichem für kost und lone zweintzig reinisch gulden gegeben werden. Es solle auch den selbigen personen allen, priestern, chorschulern und organisten, ein bequeme stuben und etliche cammern alhie im sloss ingetane und sie domit versorgt werden, darinnen sie ire wonung haben, und sollen mit holtz zu feuerwergk notturftiglich werden versorget. Wir wollen unns auch bey unnserm heiligen vater, dem babst, befleissigen, die priester obgemelt zu freyen, also das sie von bischoven mit steuer und subsidium zugeben unbeswert bleiben und exempt sein sollen. Wo aber durch unns also, das wir auf dem weg tods abgiengen, das nicht volendet wurde, sollen unnser brudere und testamentarien das getreulich furnemen zuerlangen. Die ytz gemelten vier priester und chorschuler sollen vorpflicht sein und darzu gehalden werden, alle tag teglich horas beate virginis und zwo messen zusingen. Die ersten frue umb sechs ore von unnser lieben frauen und darnach die hohe oder tag messe von der zeydt. Sie sollen auch alle sonntag zunacht vigilien mit neun lectionen und des montags ein selemesse allen gleubigen selen zutrost und hilff singen und unter der selemesse fur unns und unnser mitwalbruder die walfart und reyse seliglich zuvolbringen. Wo wir aber mit tode abgiengen, solle die selbe gedechtnus ewiglich also gehalten werden fur unns und unnser walbruder zu bitten. Es solle auch alle tag ein messe von sant Annen durch der vier priester eynen gelesen und gehalten werden, als das wie dise ordenung mit singen und lesen gehalten durch unns oder auf unnsern befelhe vorzeichent gegeben werden solle. Der organist solle auch alle sonntag und feste, darzu drey tag in der wochen zu unnser lieben frauen messen und anndern bequemen zeyten in organis singen. Zu solcher stifftung und das die unabgenglich auf ewigkeit gehalten, so bescheiden und verorden wir darzu dreyhundert gulden jerlicher zins, die gekauft sollen werden von unsern nachgelassen gutern und nutzungen an gewissen enden nach rate unnser brudere und testamentarien, davon iglichem priester, auch den chorschulern und organisten, sein anzale wie obbestimpt, gewißlich gereicht werden solle, und was von den dreyhundert gulden uber die angezeigte außrichtung uberig sein wirdet, solle zu der kirchen nutz als geleucht, ornat, umbheng und ander zierung der kirchen volgen und gebraucht werden. Also das die selbig ubermaß alle jare in einen kasten mit wissen eins amptmans, des rats alhie zu Torgau und der priester gelegt und mit dreyen slusseln, der yde part eynen haben solle, verslossen und werden versorget.
[6] Darnach schaffen wir und orden, das man zweyhundert und zehen gulden reinischer jerlicher zins an gewissen enden kauffen solle. Davon soll man sechs arme schuler zu Liptzk oder Erffurt in der universitet eyner ir iglichen sieben jare zu studieren vorlegen mit funff und dreissig gulden, die weil in unnsers bruders und unnsern furstenthumen kein universitet aufgericht wirdet. Wo aber ein universitet in unnsern landen aufgericht wurde, sollen sie alle sechs in der selben universitet mit gemeltem gelt zu studiren vorlegt werden, aufs mynst zwey jare. So dann etlich unter den selben dermassen in der lere und fleis erkant wurden nach den zweien jaren und begerten, sich in wellische lant oder anndre universiteten zu fugen, solle ine gestatt und die bestimpt summ geldes volgen und werden gereicht. Unter den ytzgenanten sechs personen sollen drey theologiam, zwen jura und leges und eyner in der ertzeney studirn und die selben schuler sollen frommer armerlute kinder sein und genommen werden zwene auß unnserm furstenthume zu Sachssen, zwene auß Doringen und unnserm ort landes zu Francken und zwene auß Meyssen und Voytlande, alles ytz und unnsers bruders und unnser teyl genant. Es sollen auch ir iglichem die funffunddreissig gulden die sieben jare gantz auß volgen und gereicht werden zu seinem studieren und nach außgang der sieben jare einem anndern wie obberurt gelyhen und also fur und fur auf ewigkeit gehalten werden. Wo aber in den sieben jarn uber kurtz oder lang ir eyner oder merer, dem solch gelt zuvolgen zugesagt und verordent were, mit tode abgieng oder sich nicht fleissig, erlich und zuchtig hielt, sundern leichtfertigen sachen nachgieng und nicht studirt und des vom rector und consilium der universitet warlich besagt und bezeugt wurde, solle der collator allezeit macht haben und ime vorbehalten sein, einen anndern an sein stat zusetzen und zuverorden.
[7] Wir setzen, orden, schaffen und wollen, das alle unnsere schulde, die wir schuldig sind, von unnserm lieben bruder redlich sollen bezalt werden.
[8] Und das diß unnser testament oder letzster wille mit allem und iglichem innhalt stette, veste und unverbrochenlich gehalten und volnzogen werden, so haben wir das in der besten form, so das im rechten aller bestentlichst sein solle und mage, gesatzt, geordent und geschaft und des zuvolziehung zu unnsern testamentarien geordent und gemacht, orden und machen genwertiglichen incraft dises testaments oder letzsten willens die erwirdigsten in gottvater und hochgepornnen fursten herrn Ernsten, ertzbischoven zu Magdburg etc., und herrn Johannsen als oberste und neben ine herrn Albrechten und herrn Georgen, alle hertzogen zu Sachsen etc., unnsern lieben herrn brudere und vettern, grave Sigmuden von Gleichen den eldern, Heinrichen Reussen von Plauen auch den eldern, Heinrichen, herrn zu Gera und Slewtz, ern Heinrichen vom End, unnsern hoffmeister, ern Hannsen von Mynckwitz, obermarschalh, bede rittere, ern Thammo Losern, doctor, thumherrn zu Meissen, und ern Heinrichen Loser, unnsern lantvoyt zu Sachssen, ritter, und Hannsen Leymbach, unnsern rentmeister.
[9] Doch behalten wir unns bevor, diß unnser testament zu myndern, zu meren, von neuem zumachen, zuverandern und zu widerruffen, wann und wie oft uns das gefellig ist und sein wirdet und die weil wir leben.
[10] Hirbey sind gewest und gezeugen unnser lieben andechtigen und getreuen er Sigmund Pflugk, doctor, thumherr zu Meissen, er Martinus Polach von Melrichstat, doctor, er Nicolaus Schreiter, pfarrer zu Torgau, Johann Flehinger, Hanns Hunt, Sebastian von Mistelbach und Caspar Spete. Und diß alles zuurkund haben wir hertzog Friderich unser secret auf alle bletter dises unnsers testaments und zu end diser schrift diß halben blats gedruckt.
Zitierempfehlung:
Nr. 1. In: Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen 1513 bis 1532. Reformation im Kontext frühneuzeitlicher Staatswerdung. Online-Edition: http://bakfj.saw-leipzig.de/print/1 [Datum des Zugriffs: 24.10.2020]
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