[1] Die Räte Kf. Friedrichs und Hz. Johanns, Dietrich von Beulwitz, Hans von Dolzig, Johann von der Sachsen und Heinrich von Bünau, schlichten die Streitigkeiten zwischen dem Pfarrer zu Auma, Johann Wetzstein, und dem Rat sowie der Gemeinde der Stadt Auma und beurkunden die Ergebnisse der Vorladung. [2] Regelung der Probleme und Folgen, die aus einer doppelten Besetzung der Kirchendienerstelle erwachsen sind. [3] Bestimmungen zu Rechten und Pflichten des Pfarrers sowie des Rates zu Auma hinsichtlich verschiedener Punkte, wie des Bierverkaufs, des Abhaltens von Messen, der Wahl und Aufgaben von Kirchvätern, der gegenseitigen Achtung sowie der Entlohnung des Frühmessers.

[1] Zu wissen, nachdem sich irrung und gebrechen gehalten zwischen dem wirdigen er Johans Wetzstein pfarrer zu Uhma an einem, rat und gemeine doselbst anders teils, des kirchners ambt halben und ander beswerung, so obgenanten von Uhma durch den pfarrer zugefugt, derhalb sy auff heut dato vor unser gnedigstn und gnedigen hern rete zuverhore und handlung betagt, haben wir sie solcher yrer gebrechen mit beider parth willen und wissen voreint und gutlich vortragen nachfolgender maß. [2] Und erstlich, nach dem sie des kirchenambts bestellung halben in irrung gewest, also, das der pfarrer einen an vorwilligung und wissen des rats zu solchem ambt aufgenomen, und der rath widerumb an bewilligung des pfarrers, ydoch ym zuwissen angegeben, ein andern angenumen, den sie dan aus angezceigtem zufelligen irthumb fur irn stadtschreiber gebraucht, welche bede ambt hivor in ubelichem herkomen mit einer person verordent und bestelt gewest, ist beredt, das beide diener und ein itzlicher in seinem stande und ambt, nach gelegenheit itzigs irthumbs, biß uff kunftigen sanct Michels tag ungeverlich bleiben sollen. Wo nu der gesel, so vom rath ytzt angenumen, bey dem pfarrer in gut und fruntschaft erlangen kan, das er mit seinem wyllen sulch dinst des schulmeisters auch haben und behalten mag, so hat es dismals kein entliche erlangung, und ob der itzig stadtschreiber dy bewillung dermassen nit erlangen mocht, so sollen die beide parteien ein diener, wie dan vor alter herkomen, welenn, ob darin irrung zufielle, wie ytzo gescheen ist, welchem teill als dan der ambtman und schosser zum Arnshaug zufalle thut, der sol dismals den dinst behalten. Also sol es auch zukunftig als oft dy parteien der welung, sulchs dinstes irrig werden, gehalten werden. [3] Des bier vorkauffens halben, mit vassen oder sunst, so durch den pfarrer zu uben vorgenumen, ist abgeredt, das der pfarrer hinfurth kein bier vorkauffen solle, als er auch hievor seinem selbst bekennen nach nicht zuthun gehabt. Darzu ist beredt unnd bewilligt, das der pfarrer den meß wein auch zur osterlichen zeit, so dy leut zu dem heiligen sacrament gehen, versorgen, wie vor alters herbracht, bestellen und geben soll. Dagegen sich der rath auch geneigter gebur erzaigen wirdt. Und nachdem auch der pfarrer etliche wöchenliche messen zu Uhma in beiden kirchen ader capellen inhalts eins receß, auff ein zceit hievor aufgericht, zuhalden vorpflicht, welchs vortrags ein copie diser zceit von dem rath furgelegt worden, ist abgeredt, das der pfarrer sulche messe ane abbruch fleissig halten wurde, so sal er dy messen, domit der gottes dinst nit abgebrochen, noch seinem vermogen durch ein andern bestellen. Es sol auch der rath zu Uhma hinfurt redlich und getreu kirchveter orden und erwelen, domit die kirche vorsorgt und mit geleuchte und anderm, so zu ere und notturft der kirchen gehort, getreulich und fleissig ausgericht werden, die kirchveter sich auch kegen dem pfarrer in aller gepur und zcimligkeit, wie das herkumen, halten sollen. Dergleichn ist beredt und bewilligt, das sich der pfarrer hinfurder zcimlich und redlich gegen dem rath in allen sachen halten und erzceigen, sie nit ubergeben ader mit ungeburlichen wortten ader wercken zu belestigen, dergleichen sich der rath gegen dem pfarrer auch halten will. Es sol auch der pfarrer bey dem frumesser doselbst die geistlich fordrung, so gegen dem rath zu Uhma furgenomen, belangende das einkomen, welchs nit ein ewig gewidempter ader gestifter zins zu angezceigter frumesse sein soll, abschaffen, und bey demselben priester verfugen, das die messen wie sich geburt gehalten werden. So sol der rath demselbigen priester dy zcins und nutzung, so hievor jherlich darzu gewidempt, volgen lassen, aber von dem unbestendigen und ungestiften zinsen, so man durch gemaine versamelung zuerlangen pflegt, sollen sie ime biß uff Bartholomei negstkunftigen nach anzcalh des zeit jhars auch raichen und geben, und mitler zceit soll der pfarrer sambt dem frumesser vorbringen, wie sich dan gemelter pfarrer zuthun erboten, ob dieselb frumeß ordentlich confirmirt sey, wan dieser zceit kein confirmacion aber sunst bestendig wyssen davon anzuzceigen gewust. Als dan ist notturftig zubewegen, wie die bestenndige unterhaltung, so dieser zceit ungewiß, ferner in creftig und ewig vorsorgung zuerlangen sey. Es ist auch beredt, das der pfarrer die leuthe, so in arckwonigkeit der unehe auff der pfarre lehen und guttern doselbst vordechtig sitzen, von sich komen laß, die nit zuhanthaben ader zuschutzen furnemen, wie im dan seins stands halben vornemlichen aigent und geburt, unnd sollen also bede parth dieser irer obestimbten gebrechen, so auf dismalh vormeldet, obenangezaigte maß gutlich voreint und vertragen sein und bleiben. Zu urkunt ist dieser abschied gleichs lauts gezwivacht und idem teyll einer unter unser zwaier furgedruckten petzschafften versigelt gegeben.
Zitierempfehlung:
Nr. 35. In: Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen 1513 bis 1532. Reformation im Kontext frühneuzeitlicher Staatswerdung. Online-Edition: http://bakfj.saw-leipzig.de/print/35 [Datum des Zugriffs: 14.08.2020]
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