[0] Entwurf einer Ordnung Kf. Friedrichs und Hz. Johanns gegen unnützes Schwören, Gotteslästerung und Zutrinken für das Kurfürstentum Sachsen. [1] Aus christlicher Pflicht haben Friedrich und Johann als regierende Fürsten die Ordnung gemeinsam mit Hz. Georg von Sachsen errichtet, besonders aus Sorge um das Seelenheil ihrer Untertanen und zur Abwendung göttlicher Strafe. Ohne Zutun der weltlichen Gewalt haben die Bischöfe und deren Geistlichkeit im Kurfürstentum es bisher nicht vermocht, die Missstände zu beseitigen. [2] Bestimmungen zum Vergehen der Lästerung des Namens Gottes, Marias und der Heiligen mit Angabe abgestufter Geld- oder Leibesstrafen, mit Vorschriften zur Verwendung der Strafgelder und mit der Aufforderung an die Geistlichkeit, öffentlich die Schwere der Vergehen zu erklären. [3] Erklärung und Verbot des Zutrinkens mit Strafenkatalog und Aufforderung, Verstöße zu melden und zu ahnden.

[1] [...] Dye weil dan sunderlich einem itzlichen cristgleubigen menschen von got vorbotten, das er bey seinem gotlichen namen nicht unutzlich schweren sal ader seiner almechtigkeit misbieten, befinden wir in unsern furstenthumen und landen, nicht mit cleyner beschwerung, das dis gotlich gebot bey vielen aus allen stenden, jung und alt, gantz vorachtet und mit grosser leichtfertigkeit ubergangen und nicht gehalden, sundern der gotliche name teglich gelestert und bey seinem heyligen namen, seinen heyligen gelidern, der junffrauen Marien und seinen lieben heyligen geschworn, dodurch dem almechtigen got manchfeldige ursach gegeben, ein gantz landt nach seiner gotlichen gerechtigkeit zustraffen, wo es durch sein gotliche barmhertzigkeit nicht mit gnaden vorschont. Dieweil dan sollich uncristlich tegelich ubung und frevelich vorachtung des gotlichen gebots, dy bischoff und prelaten mit yrer geistlickeit in unsern furstenthumen und landen gescheen, durch ire cristliche underweysung nach ordenung der heyligen cristlichen kirchen biß anher nicht abwenden und ausroden haben mogen, an unser als regirenden fursten in der weltlickeit zu thuen. So haben wir uns mit dem hochgebornen fursten, hern Jorgen, hertzogen zu Sachssen etc., unserm lieben vettern, vereynigt und aus cristlicher pflicht zu handhabung der heyligen gotlichen gebot unsers heyligen glaubens in seiner lieb und unsern landen und furstenthumen geordent und gesatzt, setzen und orden und thuen das hirmit aus unser furstlichen gewalt und macht.

[2] [...] und sal bey der oberkeytt angesehen werden, ob einiche person in sollichen gotslesterungen manchfeldig befunden, auch ob die person hoch ader nyder und wie swerlichen und hoch gots lesterung und beßwerung und aus was ursachen der geschehen. Und darnach dy sachen der uberfarunge an der person ader an ir selbst gestalt were, darnach sal dy straff dester grosser oder kleynner furgenomen werden. Haben solch unser ordenung und gesetz an unsern furstlichn höfen treulich und unverbrochlich zuhalten gepoten und daruber ernstlich zuhalten vorschafft. Domit aber unser underthanen hohes und nydern standes dester ehr verstendigt und bewegt werden, dieselbig got zu lob, steth und fest, unverechtlichen zuhalten, sollen unser freund dy bischove solchs auf den festen predigstulen und cantzeln in allen steten, fleckenn und dorffern durch yre gaistlickeyt als weit unser furstenthum offentlichen vorkundigen lassen mit cristlicher underweysung, wie groß dyse ubertrettung bey got dem almechtigen angesehen.
Zitierempfehlung:
Nr. 30. In: Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen 1513 bis 1532. Reformation im Kontext frühneuzeitlicher Staatswerdung. Online-Edition: http://bakfj.saw-leipzig.de/print/30 [Datum des Zugriffs: 05.04.2020]
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