[1] Kf. Friedrich und Hz. Johann veröffentlichen im Kurfürstentum Sachsen die landesherrliche Ordnung gegen unnützes Schwören und Gotteslästerung sowie Zutrinken. Aus christlicher Pflicht haben sie als regierende Fürsten die Ordnung gemeinsam mit Hz. Georg von Sachsen erlassen [vgl. Nr. 14], besonders aus Sorge um das Seelenheil ihrer Untertanen, zur Abwendung göttlicher Strafe und gemäß den Beschlüssen des Kaisers und der Reichsstände auf dem letzten Reichstag zu Köln [Sommer 1512]. [2] Erklärungen zum Vergehen der Lästerung des Namens Gottes, Marias und der Heiligen mit Angabe abgestufter Gefängnis-, Leibes- oder Geldstrafen. [3] Erklärung und Verbot des Zutrinkens mit Strafenkatalog und Aufforderung, Verstöße zu melden und zu ahnden. [4] Bestimmungen zur gerichtlichen Zuständigkeit bei der Strafverfolgung und zur Verwendung der Strafgelder.

[1] Von gots gnaden / wir Friderich des heiligen Romischen Reichs Ertzmarschalh Churfurst / und Johans gebrüder hertzogen zu Sachssen / Lantgraven in duringen und Marggraven zu Meyssen / Empietten allen und ytzlichen unsern prelaten graven Freyhen / Ritterschafften / Burgermaistern Rethen / der stette und gemeynden / Auch allen andern / die in unsern furstenthumben und landen iren enthaldt haben / ader darinnen gewerb treiben / Unser gnad und alles gut. Erwirdigen / Wirdigen / Wolgebornen / Edeln / Gestrengen und Ersamen / lieben andechtigen und getreuen / Nach dem unns aus Cristlicher pflicht / als regirenden fursten geburdt / in unsern Furstenthumen und landen / vleissig achtung zugeben / damit die götliche gebott / die ein ytzlicher Cristglaubiger mensch bey beschwerung seiner selen / zuhalten schuldig / nich ubergangen / noch in verachtung gesatzt werden / Angesehen / das durch verachtung und ubertrettung der selbigen / die gotliche straffung / sich in manicherlay weise / aus göttlicher gerechtigkeit / derhalben teglich hie auff erden / in vil ortern der heiligen cristenheit ereuget / Dieweil dann sonderlich / einem ytzlichen Cristglaubigen menschen von got vorbotten / das er bey seinem gotlichen namen / nicht unnutzlich schweren sol / ader seiner almechtigkeit mißpietten / Befinden wir das dis gotlich gebot / in gemeyner welt / bey viln aus allen stenden / jungen und alden / gantz veracht und mit grosser leichtfertigkeit / ubergangen / und nicht gehalten / sondern der gotlich namen / teglich gelestert und bey seinem heiligen namen / seinen heiligen glidern / der jungkfrauen Marien / unnd seinen lieben heiligen geschworn / Auch mit unpfleglichem zutrincken / vil schwerer sunde geubt wirdet / wider dis alles Römische kaiserliche majestat / unser allergenedigster herr / sambt Churfursten. Fursten und andern stenden / des heiligen Reichs Auff nechst gehaltem Reichstag zu Cölln / vleissige betrachtung gehabt / So dann dise bayde laster / sich in unsern furstenthumen und landen nicht wenig ereugen / daraus gotes des almechtigen straff / groslich zubesorgen / Welchs wir zuvorkomen schuldig sein / Darumb hat der hochgeborne Furst. her Georg. hertzog zu Sachssen. Romischer kaiserlicher Majestat. und des heiligen Reichs Erblicher gubernator in Frießlanden Lantgraff in duringen und Marggraff zu Meyssen. unser lieber vetter und wir / aus Cristlicher pflicht / zu hanthabung der heiligen gotlichen gebot / unsers heiligen glaubens / ytzlicher in seinen furstenthumen. und landen / geordent und gesatzt / Setzen ordnen / und thun das hiemit / aus unser furstlichen gewalt und macht. [2] Ob hinfurder nach ausgang dis unsers geordenten gesetzs und gebots / von was wirden stands ader wesens / der oder die weren / Menlichs ader weiblichs geschlechts / als weyt unser furstenthum und lande / mit der ubertrettung / warhafftiglich befunden wurden / der ader die / Eytel ader lasterwort / zuvorachtung gottes / frevenlich und offenlich gebrauchen / Also das der ader die / got selbst / lesterung adir unEhr / zulegen / ader seiner allmechtigkeit mißbiettung ader vormynderung thun / ader got dem allmechtigen seiner muter Marie / ader seinen heiligen fluchen / Als ob got ein ding nicht vermöcht / ader nicht gerecht wer / ader der muter gots / solchs mit irem kind zulegen / ader die lieben heiligen verachten / ader bey der marter ader wunden gotes / seiner Crafft / macht / und der gleichen / frevenlich schweren / So dann solche gotslesterung wider got geschehn / Sollen und wollen wir / das der oder die selbigen / die in obenangezaigter ubertrettung befunden / gefenglich sollen angenomen und an irem leip gestrafft werden / Wa die aber in ander gestalt wie obsteet / geschehe / Sol dieselbig lesterung / umb ein Margk lottigs silbers gestrafft / Welche aber solche obbestimbte Buß / am gut zugeben nicht vormochten / der ader die selbigen Sollen gleichwol / am leib nach gelegenheit der mißhandlung / gestrafft / und sol darneben geacht werden / Ob einiche person / in solchen gots lesterungen / manigfeltig befunden / Auch ob die person / hochs ader niders stands / und wie schwerlichen und hoch / gots lesterung und beschwerung / und aus was ursachen / die geschehn / und darnach die sachen der uberfarung an der person ader an ir selbst gestalt wer / darnach sol die straff / dester grösser ader cleiner vorgenomen werden. [3] Nach dem auch auß zutrincken got dem almechtigen manigfeltigklich mißboten wirdt / seine heilige gebot dadurch verachtet / und ubertretten / dann auß dem laster der trunckenheit wirdet offt got gelestert todschlege begangen und sust vil ubels geubt / Also das sich die zutrincker / in ferligkeit irer Selen / Eren / vornunfft / leibs und guts begeben. Dieweil dann solch schedlich unmenschlich laster. als weyt unser furstenthum / fast uberhandt genomen / dadurch nach des lasters aigenschafft / vil arges geubt / vorbracht / und entstanden damit solche gottes mißpiettung / unsern underthanen / von hohen und nidern stenden / zu seligkeit und zunemem irer Eren / leibs und guts abgestalt / und hinfurder nicht mehr vorbracht / Haben wir zu zutrincken abzuwenden / und hinfurder / als weith unser furstenthum / nicht mehr zugestaten vorgenomen. Dieweil wir dann / auß angezaigten ursachen / das laster und ubel zuvorkomen / in allen unsern landen / Auch bey allen stenden / was wirden stands ader wesens die sein / hinfurder zugedulden und zuleiden nicht gemaynt sein / So gebietten wir Ernstlich / bey vormeydung unser ungnad unnd schweren straff / Ein ytzlicher. wölle nach empfahung / dis unsers gebots / des zutrinckens / ader wie sust menschliche list / dem selbigen mit anderung des namens gestalt / zaygung ader durch wyncken / stillschweygen / ader andern erzeiglichen begynnen / die trinckens vorgleichunge disem unserm gebot entgegen vornemen möchte / sich ennthaldten. noch den seinen zuthun nicht gestatten / Welcher dis unser gebot / von Burgern paurn weibern kinden ader irem gesinde / hantwergks leut ader ander gemein volgk ubertretten wirdt / der ader die / sollen zum ersten einen Orth eins Reinischen gulden / wa sie zum andern malh ubertretten / Einen halben gulden / wa sie zum dritten malh solch laster wie berurt uben wurden / Alsdann sollen sie einen Reinischen gulden / zu buß geben / Wa aber einer ader mehr Mans ader weibs bild / zum vierden malh / ader mehr / dis unser gebot uber gehn wurden / Alsdann sollen sie nicht mehr umb gelt gestrafft Sondern gefenglichen gesatzt unnd acht ader vierzcehen tag / gehalden / mit wasser und brot und keinem anderm gespeyßt werden. als offt sie das thun. Damit auch solch laster und ubertrettung unvorhalten und aufs furderlichst. von Gastgeben. in taffern von den schencken. und in andern. ader einer in seinem aigen hauß. gestat vorporgen. und seinem Erbherren / dem Rath. Richter. ader Schultheyssen. vorschwigen und nicht angesagt wurde. als offt der ader die selbigen sollichs aus vordechtigen redlichen ursachen angezogen irer nicht vormeldung halben und also befunden wurde. der ader die selben. Sollen in thurn gesatzt / und acht ader vierzcehen tag / mit nichts anders. dann wasser und brot wie obstedt. auch gespeyßt werden. Auch welcher aber ader welche person von dem Adl / von hohem ader niderm standt in unsern furstenthumen landen und gebietten besessen ader sich sust darinnen enthalten. dis unadlich. böß laster. uber unser vorpot. mit zutrincken wievor. underschidlich angezeigt wirdt. welchs wir uns. dieweil der Adel allein auff tugent und redlicher wollfardt steht. und keiner unsyttlichen lesterlichen ubung und ubertrettung. zu keinem. dem dis unser gebot verkundigt. zuthun vorsehen wollen. von welchem es aber daruber geschicht und der an unserm furstlichen hofe mit dinsten ader ambten wer. den selbigen wollen wir also bald uns solchs erkundet wirdt. mit gantzen ungnaden urlauben und hinfurder sein ungenediger here sein unnd nicht mehr gebrauchen. Welcher aber ader welche. von den stenden des adels wievor angezaigt unser Reth diener ader ambtleut nicht. Sondern in unsern landen und gepietten gesessen weren ader sich sust darinnen enthalden und solch unser gebot ubertretten. und dem nicht geleben wurden. und sich ungehorsamlich darinn erzaigten. der ader die selben sollen diezeit irs lebens in allen iren obligenden sachen und sust keiner gnad ader guttat von uns gewertig sein. Sonder auch in unser und unsers vedtern furstlichen höfen und landen. von allen stenden als einer der nicht Eren liebet und sich uns ungehorsam erzeigt. geacht vorschmecht und gehalden werden. sich auch ein ytzlicher mit yn zugefreunden enthalten. Welcher aber ader welche vom Adl daruber dise unser ordnung und dar auff gesatzte straff. verachten. und angezaigt laster nicht meyden wurden. der ader die. wollen wir am leib zustraffen nicht underlassen. Wurde auch ymandt vom Adl. knecht mayde ader dienstboten haben. die dis unser gebot nicht halden. den ader die sol ein ytzlicher. von stund an urlauben. und von keinen andern. in unsern furstenthumen wonhafftig. zu diener dienerin. ader knecht angenomen werden. Bey vormeydung unser ungnad. und sol also hinfurder. keiner in unserm furstenthumb. wonhafftigg. und besessen. keinen knecht ader diener annemen. Er. bring im dann einen brieff von dem nechsten herren. wie und in wasser gestalt / Er geurlaubt ader abgeschyden sey. doch nit anderst dann der warheit gemeß. Welche brieff ein ytzlicher unser underthan. seinem diener. in seinem abschidt umb sust geben sol nichts davon nemen lassen. [4] Und so unser vedter und wir. dise vorgeschribene ordnung. an unser bayderseits höffen angefangen. Auch von Bischoven prelaten und andern gaistlichen personen. derhalben vil vleissige vormanung geschen. und ane zweifel nun hinfurder mehr geschehn wirdet. Auff das aber. in handthabung diser ordnung und Execucion vorbestimbter straff kein mangel sey. welche ane vleissigs auffsehen nicht geschehen mag. Ab wol solche straff aus furstlicher Oberkait. in unsern landen. uns und sunst nymands anders. von Recht zustet. haben wir doch. got dem almechtigen zu sonderlicher Ere. nicht auß pflicht sonder aus oben angezaigter bewegnus. die selbig straff allen den jhenigen. die do Oberkait gericht ader gezcwangk. uber ire underthanen ader dinstbotten haben gutwillig nachgelassen Also das ein ytzlicher solche straff wie oben gesatzt unnachlessig uben. das jhenige. so an gelt gestrafft wirdet / den halben thail vor sich behalten. den andern thail zu gottes Ere. als gestifften. kirchen. clöstern. hostpittaln. brucken. wegen. stegen. ader sust zu andern guten wercken. keren und wenden sollen. Darauff befelhen und gebietten wir. Ernstlich allen und ytzlichen unsern underthanen und verwandten. was stands. wirden ader wesens die sein. nymants außgeschlossen. den dise unser außgesatzte ordenung zukombt. Bey den Aiden und pflichten die sie unns gethan. Auch bey vormeydung unser ungnad und straff das sie nach verkundigung dis unsers gebots vleissig auffsehen auch gewisse kundtschafft darauff legen. und ordnung machen damit die ubertretter. des gotlichen gebots. und zudrinckens. nach eins ytzlichen verdinsts. wie angezaigt. gestrafft. und nymandts darinnen verschont. Auch wo es geschehe nit vordrugkt werden. Welchen wir aber hirinnen nachlessig und seumig finden. den wellen wir mit Ernster straff vornemen daraus unser ungnad und mißfallen umb solche ubertrettung befunden werde / darnach hab sich ein ytzlicher zurichten. und geschiedt daran unnser Ernste maynung.
Zitierempfehlung:
Nr. 33. In: Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen 1513 bis 1532. Reformation im Kontext frühneuzeitlicher Staatswerdung. Online-Edition: http://bakfj.saw-leipzig.de/print/33 [Datum des Zugriffs: 14.08.2020]
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