[1] Hz. Johann berichtet Kf. Friedrich, dass am gestrigen Tag die Räte Wilhelm von Petzschwitz und Günther von Bünau, die als ihre Verordnete und als Verordnete der Hze. Georg und Heinrich von Sachsen zu den hessischen Regenten geschickt worden waren, in Weimar angekommen sind [vgl. Nr. 75]. Wilhelm von Petzschwitz hat von den Verhandlungen berichtet. Johann übersendet Friedrich ein Verzeichnis, aus dem er nähere Informationen entnehmen kann. [2] Er stimmt den zwei Artikeln, die Lgfn. [Anna] von Hessen und das Stift Hersfeld betreffend, zu, soweit Friedrich keine Änderungen wünscht. In dem Verzeichnis wird unter anderem ein Aufruhr angezeigt. Da die hessischen Regenten befürchten, dass dem Fürstentum Hessen daraus Schaden erwächst, wenn nichts unternommen wird, schlägt Johann vor, dass er, Kf. Friedrich und die Hze. Georg und Heinrich von Sachsen persönlich nach Hessen reisen oder zumindest einer von ihnen. [3] Darüber hinaus befürwortet Hz. Johann, dass die sächsischen Fürsten ein gemeinsames Schreiben an die hessischen Regenten aufsetzen, mit dem sie diese nach Naumburg auf den für den 14. Februar 1514 angesetzten Tag einberufen. Vorher sollen die Regenten die Angelegenheiten in Hessen so ordnen, dass dem Fürstentum kein Schaden während ihrer Abwesenheit erwächst. Die Regenten sollen aus dem Stand der Prälaten einen fähigen Abt mit nach Naumburg bringen. Außerdem sollen durch die sächsischen Fürsten der Komtur [der Deutschordensballei Hessen] zu Marburg [Dietrich von Cleen] als Mitregent, die vier Vertreter aus der Ritterschaft Hermann Riedesel zu Eisenbach, Konrad von Wallenstein, Friedrich Trott und Wilhelm von Dörnberg sowie je zwei Stadträte aus Marburg und Kassel nach Naumburg befohlen werden und dort verhandeln, wie der Aufruhr einzudämmen ist und was gegen die Urheber unternommen werden kann. [4] Wenn auf dem Treffen in Naumburg festgestellt wird, dass es nötig ist, dass alle sächsischen Fürsten oder einer von ihnen persönlich nach Hessen reist, so soll hierzu eine Einigung erfolgen. Hz. Johann bittet Friedrich abschließend nochmals um ein entsprechendes Einladungsschreiben nach Naumburg an die hessischen Regenten im Namen aller Fürsten oder um eine andere Lösung.
Zitierempfehlung:
Nr. 78. In: Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen 1513 bis 1532. Reformation im Kontext frühneuzeitlicher Staatswerdung. Online-Edition: http://bakfj.saw-leipzig.de/print/78 [Datum des Zugriffs: 24.06.2019]
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