[1] Kf. Friedrich erinnert Hz. Johann daran, dass er ihn bereits mehrfach darum gebeten hat, sich stärker an der Regierung des Kurfürstentums zu beteiligen. [2] Kf. Friedrich kann aus gesundheitlichen Gründen die Last der Regierungsverantwortung nicht mehr wie bisher tragen. [3] Kf. Friedrich bietet seinem Bruder eine Einweisung in die Regierung an. [4] Er benennt aktuelle außenpolitische Aufgaben der Regierung. [5] Er bittet seinen Bruder um Verzeihung, dass er dieses Anliegen vortragen muss. [6] Kf. Friedrich wird einige Schlösser und Städte sowie die Summe an Bargeld benennen, die er zu seinem Unterhalt braucht.

[1] Freuntlicher lieber bruder, mir zcweivelt nit, euer lieb die habe nach in frischem gedechtnus, das ich eur lieb zu vil malen durch mein selbs person angeredt, auch habe anreden lassen, deßgleichen durch mein schreiben angetzeigt, das ich in keinen weg lenger die verwaltung des regements und versehung des hofs und haußhaldung von wegen eur lieb und mein, wie ich bißanher getan, underhalden mocht. Und under andern vil beswerungen eur lieb, auch die unschicklickait und unvermogen meins leibs angetzeigt mit freuntlicher bit, mich domit nit lenger zubesweren, sondern mich dovon komen zulassen und eur lieb, als der nach got lob in guter gesundthait und vermogen, sich selbs domit beladen eur lieb und derselben son, meinem lieben vettern, und ob euch der almechtig got der mer geben wurdt auch mir selbs zugut, und ob der almechtig mir auch erben geben wurdt, auch unsern landen und leuten zu troste etc. Wie dann eur lieb des gut wissen haben, dann ich gedechte, meine sachen in ruhe zustellen und meyner gesundthait so viel moglich zu pflegen, dann ich were ye der freuntlichen zuvorsicht, ich wolt eur lieb die zeit meins lebens, so vil mir got der almechtig der nach verliehe, nach nutzer gesundt sein, dann swach unnd unvormogendt. Darauf mir von eur lieb zu vilmaln antwort gefallen, das ich mich nach zurtzeit nicht von solchem handel zcihen wolt, sonder mich eur lieb zu freuntlichem gefallen nach domit beladen, dann eur lieb hetten meiner handlung guth gefallens etc. Es ist aber auch von eur lieb zu etlichen malen auf mein ansuchen und sonderlich auf mein schreiben kein antworth gefallen, sondern das mit sweygen ubergangen, wie dann das eur lieb auch unverborgen. [2] Nu weiß ye der almechtig got, das ich meyn gemut dahyn gericht, das ich die zceyt meins lebens nichts liebers tun wolt, dann das, das eur lieb zu gefallen und zuerhaldung freuntlichs und bruderlichs willens zcwischen uns dinstlichen. Weyl ich aber teglich mit mer beswerung und sonderlichen meins leibs beladen werdth, wie dann eur lieb solchs bey eur lieb unnd meynem artzt zuerfaren haben, das diser groser und beswerter last zutragen mir unmoglich, darumb habe ich keynen bequemern wegk finden mogen, damit mir zum tail mein beswerung abgewandt, auch mit hilf des almechtigen der bruderlich und eintrechtig wille zcwischen uns, auch landt und leute statlichen mogen erhalden werden, daran abgotwil so vil an mir kein billickait erwinden soll, dann diesen wegk furzunemen, das sich eur lieb mit dieser muhe, wie ich nu die vil zceit und jar von wegen eur lieb und mein getragen, uns beden zugut auch domit beladen unnd mich nit weyter domit beswere, darumb ich auf das aller freuntlichst wil gebeten haben, mit erbietung solchs, woe ichs nit verdynt, mich nachmals zu understeen mit hilf des almechtigen solchs freuntlich umb eur lieb zuvordienen. Dem almechtigen got wil ich auch getrauen, so eur lieb selbs in dise handlung komen, eur lieb werden erfaren, welchs eur lieb vor nit wissen, und dabey befinden, ob ich eur lieb freuntlichen und nutzlichen unnd unnser beden landen trostlichen gehandelt habe oder nit.
[3] Ich bin auch erbuttig, was eur lieb von mir bericht begern und mir wissent ist, dasselb eur lieb treulichen und mit vleis anzutzeigen und eur lieb abgotwil die anweysung zu tun, der ich ye keine mein leben lang von ymands gehabt, dann eur lieb wissen, mit was schicklickait eur lieb und ich ins regement komen sein, dann was ich des weyß, wie wol es nit vil ist, so habe ichs doch mit groser muhe und arbeit erfaren mussen, wie dan eur lieb abgotwil mit der zceyt auch innen werden sollen.
[4] Ich weiß auch wol, mit was grosen gescheften und sachen eur lieb und ich zu dieser zceit beladen sindt, als nemlich in den gebrechen unsern vettern hertzoge Georgen und uns beden belangendt, die gulchische, erfurtische, hessische, grave Wilhelms und der gleichen sachen unser furstlich oberkait betreffent, die zubehalden und mit billickait zu meren, auch unser fromme verwandte und undertane in fridlichem und rechtlichem wesen zuerhalten, darinnen wil ich mich in keinen wegk von eur lieb gesondert haben, sondern meins vermogens solchs alles treulichen helffen hanthaben und in alwege als der getreue bruder befunden werden.
[5] Ditz alles habe ich eur lieb auß bruderlichem und freuntlichem willen nit verhalden wellen, abermals freuntlich bittendt, eur lieb welle ditz mein ansuchen keiner andern meynung, dann wie berurt, versteen oder aufnemen, wann eur lieb die wissen, die zcalh der jar, die ich got lob auf mir habe, auch die große muhe und arbeit, die ich auch nu eur lieb zu sonderm freuntlichem gefallen ein lange zceit ertragen habe. Darumb in warhait solchs auß vil bewegeden ursachen meyne hoe nodturft erfordert. Das wil ich umb eur lieb widerumb freuntlich und bruderlich verdienen.
[6] Darauf wil ich eur lieb auch nit pergen, das ich jerlichen, so lange dise bruderliche abrede steen werdt, zu underhaltung meins wesens zu dem land zu Sachsn etlich sloos und stete, die ich eur lieb antzeigen wil, welche doch nicht in groser zcalh sein sollen, darzu jerlichen ein summ pars gelds von unsern berckwercken und andern unsern einkomen etc. haben wil, wie dann, als ich zu got verhoffe, mich des mit eur lieb bruderlichen underreden und vertragen wil.
Was mir auch also an den slossen und steten ausserhalb des lands zu Sachssen an parem geldt, das die selben uns jerlich in unser camer geantworth und ertragen, angeweist werdt, sol mir an der summ des paren gelds abgerechent werden. Und so mich der almechtig got die zceit diser bruderlichen abrede uber leben lest oder ob got der almechtig mitler zeit uber mich gebieten wurde, so hof ich ye zu got dem almechtigen, eur lieb sollen mich in meyner haußhaltung und sonst mit meynem vleis auch gegen unsern landen und leuten also spuren als den, der eur lieb mit allen treuen und sie mit gnaden meynt. Und euch meyne sele, woe ich nit am leben, dester treulicher, als ich mich on das doch zu eur lieb auß bruderlicher treue versehe, auch verhoffe umb eur lieb nit anders verdynt habe, befolhen lassen.
Zitierempfehlung:
Nr. 38. In: Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen 1513 bis 1532. Reformation im Kontext frühneuzeitlicher Staatswerdung. Online-Edition: http://bakfj.saw-leipzig.de/print/38 [Datum des Zugriffs: 05.04.2020]
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