[1] Die Mitglieder der Universität Wittenberg berichten Kf. Friedrich, dass Martin Luther sie über das Schreiben des päpstlichen Legaten, Kard. Thomas Cajetan, an den Kf. unterrichtet hat, in welchem dem Kf. geraten wird, Luther entweder nach Rom zu senden oder ihn des Landes zu verweisen. Zur Begründung wurde auf Luthers Schriften und Disputationen verwiesen. Luther bat darum, dass ihm seine Irrtümer anhand der Heiligen Schrift und der Kirchenväter schriftlich angezeigt werden. [2] Luther zeigte weiterhin an, dass er [in Augsburg] seine Lehre und Schriften widerrufen sollte, ohne dass ihm die Gründe dafür angezeigt wurden. [3] Luther bat daher die Universität, sich bei Kf. Friedrich dafür einzusetzen, dass der Kf. an Cajetan oder an Papst [Leo X.] schreibt und bittet, die Irrtümer Luthers diesem schriftlich mitzuteilen. Die Argumentation soll auf biblischer Grundlage erfolgen. Wenn er auf diese Weise eines Irrtums überführt wird, ist er zum Widerruf bereit. Dieses Verfahren ist in der christlichen Kirche üblich. [4] Die Universitätsmitglieder wollen Luthers Bitte entsprechen. Dennoch gefällt ihnen Kf. Friedrichs Papsttreue. Sollte Luther eines Irrtums überführt werden, wollen sie ihn als erste preisgeben, weil sie das Urteil der römischen Kirche achten. [5] Die Mitglieder der Universität Wittenberg bitten Kf. Friedrich, der die Universität erhält, dem Papst Luthers Bitte anzuzeigen, so dass die Wahrheit offengelegt wird. Luther hofft, dadurch aus der Finsternis ins Licht geführt zu werden. Er befürchtet, dass sich missgünstige Menschen im Namen der Kirche ein Urteil anmaßen, was der Papst, wenn er es wüsste, abwenden würde.
Zitierempfehlung:
Nr. 786. In: Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen 1513 bis 1532. Reformation im Kontext frühneuzeitlicher Staatswerdung. Online-Edition: https://bakfj.saw-leipzig.de/print/786 [Datum des Zugriffs: 05.04.2026]
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